

Eine Künstlergemeinschaft am Fuße des Berges
Hans Schohl
Als sich Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrtausends mehrere Künstlerinnen und Künstler des Landkreises in einer Marburger Kneipe im Südviertel zum Plaudern und Fachsimpeln trafen, dachte noch keiner von ihnen auch nur entfernt daran, dass aus dieser bunten Gesellschaft eine feste Künstlergemeinschaft mit nunmehr 25-jähriger Vergangenheit entstehen würde.
Manfred Drechsel (leider schon 2009 verstorben), Liesel Haber, Lies Kruschwitz, Antonia Mösko, Burgi Scheiblechner, Klaus Schlosser, Hans Schohl, Margarete Trümner und Gerda Waha waren von Anfang an dabei, Ursula Eske kam 2012 dazu. Diese Neun bilden bis heute die Künstlergemeinschaft, die inzwischen seit einem Vierteljahrhundert ihr Domizil mit Atelierräumen und Druckwerkstatt in dem alten Rittergut Radenhausen gefunden hat. Dass die Künstlergruppe dann 2006 durch die Verleihung des Otto-Ubbelohde-Preises auch den Ritterschlag des Landkreises Marburg-Biedenkopf erhalten hat, passt zum Standort.
Ziel der Ateliergemeinschaft war und ist ein intensiver Gedankenaustausch, gegenseitige Anregung und Kritik, sowie insgesamt eine lebhafte kulturelle Aus-einandersetzung mit der Öffentlichkeit.
Höhepunkt eines jeden Kunstjahres der Werkstatt Radenhausen war all die Jahre das Sommerfest mit gemeinsamer Ausstellung im alten Kornspeicher des Gutes – einem ganz besonderen Ausstellungsort. Hier haben in der Vergangenheit eine Vielzahl von Ausstellungen stattgefunden, meist mit Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Themen. Beginnend mit einer ersten Ausstellung im Kornspeicher (1999), Hotel (2000), Nachrichten vom Tier (2001) folgten weitere Werkschauen u.a. Schein-Heilig (2007), todschick (2016) bis zu den letzten beiden Ausstellungen vor Coronazeiten: Vom Sammeln der Zeit (2018) und sonst nichts (2019). Parallel zu diesen Gemeinschaftsausstellungen fanden in vielen Jahren verschiedene Skulpturenausstellungen in dem angrenzendenkleinen Park statt, der für diese Projekteeine verwunschen idyllische Kulisse abgab. Neben Skulpturen der Radenhäuser Künstlerinnen und Künstler waren dort auch häufig Arbeiten von befreundeten Kunstschaffenden zu sehen.
Das ungewöhnliche Kunstmaterial „Häkelgarn“ verweist auf eine weitere Besonderheit der Künstlergruppe. Seit einigen Jahren finden sich einzelne Mitglieder zum Häkelkreis der Werkstatt Radenhausen zusammen – u.a. stülpte sich 2008 eine spektakuläre Häkelhaube über den Turm der Schlossruine der Stadt Amöneburg.
Nach der „coronösen“ Pause fand 2025 das Fest zum 25-jährigen Bestehen statt – unser letztes großes Sommerfest im angestammten Domizil, dem Rittergut Radenhausen. Das Gut wurde 2025 verkauft und wir mussten schweren Herzens unsere Ateliers auflösen.
Das Rittergut Radenhausen, als Namensgeberund als Ort unseres langjährigen gemeinsamen künstlerischen Arbeitens und Feierns ist damit leider Geschichte und steht nicht mehr zur Verfügung.
Dennoch, die Künstlergemeinschaft „Werkstatt
Radenhausen“ besteht und arbeitet weiter, wie
die zwei aktuellen große Ausstellungen 2026 im
Kunstverein Marburg und im Kunstmuseum
Marburg belegen.